Eine Studie für Politiker, um besser über das Sexualverhalten in Deutschland informiert zu sein

Besser informierte Politiker treffen bessere Entscheidungen und Gesetze. Ein Bereich, in dem es viele Fehlinformationen gibt, was vielleicht an der Materie liegt, ist das Sexualverhalten in bestimmten Ländern. Deutschland ist da nicht anders.

Wussten Sie zum Beispiel, dass:

88% der Deutschen mindestens einmal vaginalen Geschlechtsverkehr hatten und etwa die Hälfte angab, mindestens einmal Oralverkehr (sei es sogenannter Blowjob oder muschi lecken) gehabt zu haben (entweder aktiv oder passiv)?

Dtsch Arztebl Int 2017

In Deutschland gibt es bisher keine bevölkerungsbezogenen Erhebungen zur Häufigkeit der verschiedenen Arten von Sexualverhalten. Das Thema ist von interdisziplinärem Interesse, insbesondere im Hinblick auf die Prävention und Behandlung von sexuell übertragbaren Infektionen.

Daher beschloss eine Studie von Dtsch Arztebl Int. im August 2017, mehr darüber zu erforschen.

Einige interessante Ergebnisse:

  • Rund 13 Prozent der Befragten gaben an, ungeschützten Geschlechtsverkehr außerhalb ihrer Primärbeziehung zu haben, aber nur 2 Prozent gaben an, immer Kondome zu benutzen. Solche heimlichen externen Sexualkontakte gelten als Übertragungsweg für sexuell übertragbare Infektionen (STIs).
  • Die Autoren weisen darauf hin, dass nur jede vierte Person, die angab, ungeschützten Sex außerhalb ihrer primären Beziehung zu haben, zugab, in diesem Zusammenhang eine medizinische Untersuchung gehabt zu haben. Vor diesem Hintergrund sind die Autoren der Meinung, dass in der Praxis die Erkundung von Risikoverhaltensweisen und die Bereitstellung von Informationen zur Prävention von STIs entscheidend ist.
  • Wann immer ein Patient berichtet, Sex mit mehreren Partnern gehabt zu haben, sollte er explizit über die Übertragungswege und die Verwendung von Kondomen oder Femidom aufgeklärt werden. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass etwa die Hälfte der Befragten angab, Erfahrungen mit Oralsex gemacht zu haben, ist eine Aufklärung über den wenig bekannten orogenitalen Übertragungsweg von Infektionen empfehlenswert.
  • In dieser repräsentativen Umfrage bezeichneten sich die meisten Frauen (82 Prozent) und Männer (86 Prozent) als ausschließlich heterosexuell. 57 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie zum Zeitpunkt der Befragung in einer stabilen Beziehung lebten und äußerten sich zufrieden damit. 40 Prozent der Teilnehmer in stabilen Beziehungen lebten in monogamen Beziehungen, 2 Prozent hatten offene Beziehungen und 1 Prozent gab an, Sex mit Außenstehenden (Dreier) zu haben. 56 Prozent hatten sich nicht um eine Vereinbarung über Kontakte mit Außenstehenden bemüht.
  • Von den Frauen im reproduktiven Alter (≤ 50 Jahre) gaben 51 Prozent an, mit der Pille zu verhüten. 17 Prozent benutzten andere Arten der Empfängnisverhütung. 5 Prozent verhüteten nicht, da sie einen Kinderwunsch hatten. 27 Prozent dachten nicht über Verhütung nach. 7 Prozent der Frauen hatten Interzeptiva (die „Pille danach“) zum Zweck der postkoitalen Verhütung eingenommen; 3 Prozent hatten solche Medikamente mehr als einmal eingenommen.
  • 17 Prozent der Befragten gaben an, während einer Beziehung schon einmal Sex mit einer anderen Person als dem festen Partner gehabt zu haben. Mehr Männer (21 Prozent) als Frauen (15 Prozent) gaben zu, Sexualpartner außerhalb ihrer Beziehung gehabt zu haben. Personen, die externe sexuelle Begegnungen hatten, berichteten im Durchschnitt von 3,65 anderen Partnern zusätzlich zu ihrem Hauptpartner. 8 Prozent der Männer gaben an, mit durchschnittlich 4 weiblichen Prostituierten Sex gehabt zu haben.
  • Die Autoren sind der Meinung, dass es für Ärzte von entscheidender Bedeutung ist, Kenntnisse über das allgemeine Sexualverhalten ihrer Patienten zu haben. Sie sehen darin eine wichtige Grundlage für einen adäquaten Umgang mit Problemen, die sich möglicherweise aus solchen Verhaltensweisen ergeben.